ElJoel

Kommunikation ist wahrscheinlich

Achillessehne oder warum Badminton raus ist

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Körperliche Unversehrtheit ist ein wundervoller Zustand. Ich glaube, ich bin mir dessen viel zu selten bewusst – oder bewusst gewesen. Vor ziemlich genau zwei Wochen beispielsweise bin ich noch vergnügt über den Badmintonplatz geschnellt. Für etwa eineinhalb Sätze, denn dann gab es ein Geräusch, dass sich mir für immer in mein auditives Gedächtnis eingebrannt hat. Vergleichbar ist es mit einem einmal gefalteten Ledergürtel, den man zusammenpeitschen lässt. Die Lautstärke reicht übrigens, um auch dem Gegner auf der anderen Feldhälfte die Farbe aus dem Gesicht zu treiben. Hört man dieses Geräusch und verspürt ein entsprechendes Gefühl in der Wadengegend, findet man sich kurze Zeit später übrigens auf dem Boden wieder und ist froh, dass die Mitspieler so geistesgegenwärtig waren, den Notarzt zu rufen. Herzlichen Glückwunsch – die Chancen auf eine gerissene Achillessehne stehen gut.

Was man dann tun sollte: Bein hoch und kühlen. Am besten bleibt man gleich auf dem Boden liegen, denn es kann sein, dass der Kreislauf etwas einsackt.

Für mich ging es in der Folge dann per Krankentransport in die Notaufnahme des Krankenhaus 1. Da hieß es erst einmal warten, Wade abtasten lassen, provisorischen Gips angelegt bekommen und wieder nach Hause. Ich sollte am Folgetag erneut reinschauen, um einen OP-Termin zu vereinbaren. Evtl. wäre auch eine OP am gleichen Tag noch möglich gewesen, da ich aber natürlich bereits was gegessen und gertunken hatte, ist diese Option entfallen. Ich bin dann am nächsten Tag nicht zurück ins Krankenhaus 1, sondern zum Orthopäden meines Vertrauens, um mir eine Zweitmeinung abzuholen. Der Arzt bestätigte den Befund und hat mir eine Überweisung für Krankenhaus 2 ausgestellt – das liegt zwar etwas weiter weg, dafür stimmt der Ruf in Sachen Orthopädie. Einen OP-Termin habe ich dann für den Folgetag erhalten (man sollte sich nicht zuviel Zeit bis zur OP lassen, ein paar Tage sind aber in Ordnung).

Die nächsten sieben Tage habe ich dann da verbracht. Die OP ist gut verlaufen und insgesamt halten sich die Schmerzen bei so einer Sehnenruptur in Grenzen. Allerdings war das Wetter richtig schön warm und ich durfte einen dicken, ausgefütterten Plastikklumpen namens Vacoped am linken Bein tragen. Bei der Gelegenheit habe ich nochmal ein wenig was über mich gelernt: Ich komme scheinbar besser mit einer Woche Leerlauf und Langeweile (man bewegt sich trotz Gehhilfen nicht wirklich) zurecht, als ich das zuvor angenommen habe. Ist Nichtstun eine besondere Fähigkeit? Gehört sie in den Lebenslauf?

Wieder zu Hause kam dann eine weitere Erkenntnis: Zwei Gehhilfen bedeuten null Arme. So stand ich in der Küche und fand einen frischen Kaffee eine gute Idee. Ich lehnte meinen Oberkörper einbeinig an die Arbeitsplatte, um die Hände frei zu haben, nahm eine Tasse aus dem Schrank und kam ins gedankliche Stocken… Wie bekomme ich eine Tasse voll mit heißem Kaffee und ohne freie Hand irgendwohin bewegt? Naja, später hat man mich an meinen halbwegs dichten Thermosbecher erinnert. Das gleiche Spiel übrigens bei geschmierten Broten oder was auch immer. Mittlerweile humpel ich mit Umhängetasche durch die Wohnung, um Sachen zu transportieren. Bei Butterbroten lege ich eine ausgefeilte aber mühsame Choreo mit mehreren Ablagestationen bis zum Küchentisch hin. Den größten Teil der Arbeit hat aber leider die Kesro, als Revanche darf sie mir morgens aber immer eine Thrombosespritze geben ;)

Wie geht es jetzt weiter? Leider hat uns der Unfall einige Striche durch diverse Rechungen gemacht: vorvergangenes Wochenende sollte es z.B. nach Zürich gehen und kommenden Monat in den Sommerurlaub. Zürich können wir ja glücklicherweise nachholen. Nur der Urlaub… Trotz allem möchte ich mich nicht zu viel beschweren, es gibt genug Menschen, denen es bedeutend schlechter geht.

Ende dieser Woche werde ich erstmal meine Rückkehr ins Büro ausprobieren – das Bein muss ich dann halt hoch legen, sonst sollte das aber klappen. Den Plastikklumpen trage ich wohl noch etwa drei Monate und in etwa sechs Monaten ist die Geschichte hoffentlich halbwegs ausgeheilt.

An beinlastigen Sport wage ich mich erst 2018 ganz langsam wieder ran – Badminton werde ich dann vermutlich nicht spielen…

 

2 Kommentare

  1. Junge Junge, allein die Beschreibung des Geräusches, lässt meinen Kreislauf wanken.
    Trotz des unrühmlichen Anlasses sehr amüsant zu lesen.
    Besonders deine Idee des Nichtstuns als Fähigkeit zu begreifen, wirft auf so manchen deiner Kunden oder meiner Verwandten ein ganz anderes Licht.
    Schön das du auf dem Weg der Genesung bist.

    Vielleicht sollten wir beide darüber nachdenken, unserem Körper wieder regelmäßiger intensiveren Gebrauch zukommen zu lassen, anstatt alle paar Wochen eine Leistungsspitze abzuverlangen.

    • Ja, die regelmäßige Bewegung ist auch das, was ich derzeit am meisten vermisse. Ich freue mich sehr auf mein Fahrrad. :)
      Darüber hinaus stehen jetzt hier auch ein paar Wanderstiefel (der Plastikfuß wird bald abgestoßen und durch stabilisierendes Schuhwerk ersetzt) – ich bin ja schon glücklich, wenn ich irgendwann mal ohne Krücken durch die Gegend schleichen kann. Wilder wird es dann aber erstmal nicht. :D

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