ElJoel

Kommunikation ist wahrscheinlich

Thailand 2013 – Tag 6

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Wie am Morgen zuvor, nur ein ganzes Stück müder, ging es früh raus und auf die Ladefläche des Pickups. Wir wollten Elefanten sehen.

Dabei ist dieses Thema durchaus heikel, jedenfalls wenn man ein wenig Sinn für Tierschutz hat: In Thailand gibt es viele Möglichkeiten, die Grauhäuter zu beobachten, auf ihnen zu reiten und sogar ganze Touren mit ihnen zu machen. Leider ist der Großteil dieser Angebote mit sehr grauenvollen Prozeduren für die Tiere verbunden, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Entsprechend haben wir Gon – unserer Führerin – erklärt, dass wir diese Unternehmung ausschließlich machen möchten, wenn es tierfreundliche Angebote gibt. In diesem Punkt wurden wir uns schnell einig – wer Gon kennengelernt hat, weiß warum.

Unser Ziel war ein staatliches Elephant Conversation Centre. Gon erklärte uns, in diesem würde sich um die Tiere gekümmert, abends hätten sie freien Auslauf und der Park sei nicht auf den Tourismus angewiesen.130124_thailand-317-2 130124_thailand-320-2 130124_thailand-333-2

Allerdings regten sich bei uns schnell Zweifel. Zwar war der riesige Park tatsächlich ziemlich leer, es gab eine Krankenstation und viele Wasserstellen. Jedoch wurden die Tiere auch hier mit Haken „encouraged“ und es gab eine sehr alberne Show, in der die Tiere unter anderem Bilder malten. Das Malen von Bildern liegt einem Elefanten in der Regel ja nicht gerade im Blut, aber die Gewissheit, dass die Tiere gequält werden, fehlt. Wie schon geschrieben, war der Park nicht überlaufen, es wirkte trotzdem alles wie ein Disneyland mit Elefantenthema.

Ich bin mir absolut sicher, Gon hätte uns eher einen Gegenvorschlag gemacht, als mit uns die Tierquälerei zu fördern. Daher würde ich auch nicht vermuten, dass hier eine kulturell unterschiedliche Haltung zu Tieren vorliegt. Vielleicht ist der Punkt ja der, dass man den König (und die Regierung) in Thailand nicht kritisiert und ein staatlicher Park daher frei vom Verdacht der Tierquälerei ist. Das Gefühl bei der ganzen Sache war eher ungut und Gon meinte auch, sie sei bis dahin nicht mit Touristengruppen dort gewesen. Vielleicht handelt es sich um einen blinden Fleck, den wir mit vorheriger Recherche und eigenen Vorschlägen hätten umgehen können.

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Im Anschluss an den Parkbesuch ging es noch in ein benachbartes Elefantenkrankenhaus, dessen Schild ausdrücklich darauf hinweist, nicht Teil des Elephant Conversation Centres zu sein. Nun ja… Das Gon sich das nicht erklären konnte, stärkt meine Annahme aus dem vorherigen Absatz. In dem frei zugänglichen Hospital wird sich um Elefanten gekümmert, die beispielsweise durch Landminen ein Bein verloren haben. Das Krankenhaus ist eine Non-Profit-Organisation und finanziert sich durch Spenden. Auf Shows wird verzichtet – im Vergleich zum ersten Park ist das recht sympatisch. Aber das Video, welches wir uns noch haben zeigen lassen: Die Hospitalgründerin, als erlösende Mutter Theresa, hämmert auf das Mitleid der Zuschauer ein. Das ganze ist halt leider recht schlecht produziert und die Mechanismen, derer sich da bedient wird, sind zu offensichtlich… Gut, vielleicht braucht es ja so etwas, um die Leute zum Spenden zu animieren. Mich lässt die Produktion einer Messiahs-Figur eher zurückschrecken.

Alles in allem war der Tag bis dahin interessant, aber hatte auch so seine Tiefen. Doch dann kam das Essen. :)

Bestellt wurde Thai-Food in einem offenen Lokal, am Rande einer Straße, irgendwo im Nirgendwo. Ohne Gon hätten wir da wohl einen weiten Bogen drum gemacht – zu manchen Erlebnissen muss man halt geschubst werden. ;) Der angebotene Fisch allerdings, war das Erste und Einzige, was wir auf unserer Reise abgelehnt haben. Wir schauen den Fisch an. Wir schauen uns an. Zitat meiner weisen Frau:“Wenn ich den esse, enterbt mich mein Papa!“ Der Rest war aber lecker.

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, kurz über eine interessante Erfahrung zu schreiben. Mein Körper zeigte mir völlig neue Reaktionen. Er hatte existenzielle Angst! Zu Hause bin ich recht pingelig, wenn es um Nahrungsmittel geht. Ich esse zwar alles, sobald der Stempel auf der Packung aber die Vergangenheit markiert, ist’s bei mir vorbei. Ich weiß, das ist Unsinn, kann aber nur schwer etwas dagegen tun. Nun ja, da bin ich also in Thailand und esse jeden Tag aus fragwürdigen Quellen, mir unbekanntes Zubereitetes. Was passiert? Egal ob lecker oder nicht (und fast immer war es hervorragend!), meine Hände fangen an zu zittern. Jeder Bissen könnte der letzte gewesen sein. ;) Keiner von uns hatte übrigens auf der ganzen Tour irgendwann wirkliche Magenbeschwerden.

Nach dem Mittagessen ging es nicht viel weiter, denn auf der anderen Straßenseite befand sich ein Markt, auf dem von Ratten am Spieß über Maden und irgendwelches Gedöns (wörtlich genommen) so ziemlich alles verkauft wurde. Brrrrr…. 130124_thailand-339-2 130124_thailand-344-2 130124_thailand-347-2 130124_thailand-348-2 130124_thailand-359-2 130124_thailand-361-2 130124_thailand-362-2 130124_thailand-363-2 130124_thailand-365-2 130124_thailand-367-2

Zum Abschluss haben wir noch eine Tempelanlage besucht und ein wenig was über die Geschichte Buddhas gelernt. 130124_thailand-370-2 130124_thailand-373-2 130124_thailand-379-2 130124_thailand-380-2 130124_thailand-384-2 130124_thailand-385-2 130124_thailand-391-2 130124_thailand-392-2

Ich glaube ja, dass dem guten Mann das ganze Gold ein bisschen zuviel gewesen wäre.

Nachdem wir uns herzlich von Gon und unserem Fahrer verabschiedet haben, ging es zum Abendessen nochmal ins Dada, wobei wir wohl in den letzten beiden Tagen zuviel originales Original-Thai gegessen hatten. Denn dieses Mal kam uns die Küche etwas langweilig vor.

Am nächsten Tag  sollten wir aber noch eine tolle Alternative finden.

2 Kommentare

  1. und wieder super geschrieben…. Tolle Bilder !

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