ElJoel

Kommunikation ist wahrscheinlich

Istanbul – Antalya 2011

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Gestern sind wir aus unserem diesjährigen Sommerurlaub zurück gekommen. Es war beeindruckend. Es war faszinierend. Es war lecker. Es war laut und leise. Es war fremd. Es war familiär. Es war so vieles, vor allem war es unglaublich toll!

Irgendwann während meines Praktikums in Frankfurt kam die Anfrage von Kesro, ob wir denn nun in Urlaub fahren, wann wir fahren sollten und ob wir uns Istanbul anschauen wollten. Dazu ist zu sagen, dass ich seit ein paar Jahren irgendwie ein Problem damit habe, mich auf Urlaube festzulegen. Immer denke ich, zu den entsprechenden Terminen könnte so eine Auszeit total schlecht liegen, und mich dann aus einer Arbeit oder einem Projekt reißen. Vielleicht müsste ich am Ende sogar den Urlaub platzen lassen. Darüber vergesse ich dann leicht, dass der Urlaub in jedem Fall platzt, wenn er gar nicht gebucht wird. An dieser Stelle also erstmal einen Dank an meine geliebte Mitreisende und Organisatorin det Janzen! Das Vollblut-Projekt-Bunny! :)

Wir wollten uns Istanbul anschauen! Bisher habe ich die Stadt immer nur in irgendwelchen Reiseberichten oder in Filmen von Fatih Akın gesehen. Soviel Leben, soviel Buntes, da mal mitten drin zu stehen, die Luft zu Atmen, die Atmosphäre aufzusaugen… Buchen? Ja? Jetzt? Ok. Aber den Jahresurlaub komplett in Istanbul verbringen, das wollten wir dann doch nicht (wobei man das locker machen könnte). Da uns das Pech ein paar Freunde entführt hatte und für alles ein Ausgleich her muss, gab uns das Glück die Freunde in diesem Urlaub für acht Tage zurück. Luzzy und Ramona leben jetzt seit viel zu langer Zeit in Antalya und gehörten mal ordentlich besucht. Also haben wir uns für vier Tage Metropolen- und acht Tage Rumlunger-Urlaub entschieden – in der gleichen Reihenfolge.

Irgendwann war dann recht schnell der 04 .09. und wir standen mitten in einer Millionenstadt – im europäischen Teil Istanbuls. Es war heiß, wir waren nass und mit schwerem Gepäck behangen. Wir hatten uns mit der Straßenbahn bis zum Hafen Istanbuls gekämpft und BAM! Überall Lärm, tausende Menschen und Gerüche (durchaus unabhängig voneinander), dass es einen fasziniert aber zugleich auch erschlagen hat. Wir brauchten eine Fähre zum asiatischen Teil der Stadt, eine Fähre nach Kadıköy! Wir fanden sie und eine riesige Menschentraube, die den gleichen Weg nehmen wollte. Die Fähre kam und wir schleppten uns an Bord, irgendwohin, Hauptsache dabei. Wir fanden uns dann backbord, draußen im Erdgeschoss wieder, saßen auf unseren Koffern oder was sich gerade anbot… Da war er, der Bosporus. Der berühmte Fluss über den irgendwie jeder spricht, der mal dort gewesen ist. Ich war bereits einige Male am Rhein und mag den Fluss, aber nun ja, so richtig schwärmen lässt er mich jetzt nicht. Was soll also bitte sooooo toll an diesem hier… Die Fähre legte ab und es war Frieden. Eine halbe Stunde lang pure Entspannung, den Blick schweifen lassen – dieser Moment ist absolut magisch, jedes einzelne Mal! Die Stadt hatte mich noch nicht, in den Bosporus habe ich mich aber direkt verliebt.

In Kadıköy haben wir im Hush Hostel übernachtet – einfach aber sauber und sehr günstig und freundlich.

Einzig das Frühstück haben wir verschmäht. Macht aber nichts, in der ganzen Stadt kann man günstig die leckersten Sachen bekommen. Wir haben mal mit Simit Sarayı angefangen: Ein Simit (das sind superleckere Sesamkringel) mit Käse, ein paar Sigara Böreği und – Achtung Highlight – ein riesen Glas frisch gepresster Orangensaft (kostet so ca. 1,40€ und in der ganzen Türkei nicht viel mehr!), dazu leckerer Kaffee oder eben Tee. So in etwa sah dann auch die restlichen Istanbul-Tage unser Frühstück aus. :) Bleiben wir beim Essen und kommen zum großen Tipp für gutes Abendessen: Çiya. Original türkische Küche, qualitativ und preislich ein absoluter Volltreffer. Anfangs hatte ich ein wenig Angst, ob ich mich vielleicht für das falsche Gericht entschieden hätte. Da kam eine Zinnschale (oder doch Messing?) mit Schaum oben drauf. Bei näherer Betrachtung kam das Lächeln zurück: Bier!…

Ich möchte jetzt gar nicht im Detail alle Plätze beschreiben, die wir so besucht haben. Das würde in Arbeit ausarten und vielleicht auch zu langweilig werden. Lieber lasse ich für Istanbul noch ein paar Bilder sprechen.
Soviel sei aber noch gesagt: Packt Euch gutes Schuhwerk ein, lest einen guten Reiseführer (jeder sollte mit Kesro reisen können, nur das fänd ich doof!  ;) ), der auch Themen außerhalb der Touri-Schauplätze behandelt (ich empfehle den von LonelyPlanet, der ist perfekt!) und schaut euch diese Stadt selber an. Es gibt natürlich Sehenswürdigkeiten, wie tolle Moscheen, das Basarviertel usw., aber hier erlebt man auch wirklich nur das, was 90% aller Urlauber an einem (anstrengenden) Tag abgrasen. Lasst Euch mehr Zeit, streift durch Kadıköy und andere Stadtteile (siehe Reiseführer) und habt keine Berührungsängste!
Es reicht ein einfaches „Merhaba“ und man begegnet Euch mit einem Lächeln. Egal wo wir ankamen, ein paar türkische Worte haben so viele Tore geöffnet… Muss man natürlich nicht, aber dieser Tipp ist vermutlich der Beste, den ich Euch wirklich geben kann. Die Händler und Kellner muss man allerdings abwimmeln. Auch dafür lohnt der Reiseführer. Wenn man ein Ziel hat, will man in die ganzen anderen Restaurants nicht rein und kann das auch besser vermitteln. ;)
Ein weiterer: Wohnt auf der asiatischen Seite! Allein schon, weil es unvorstellbar toll ist jeden Tag zwei Mal mit der Fähre über den Bosporus zu fahren.

   

   

   

Nach den vier Tagen Istanbul ging es dann weiter, per Inlandflug gen Süden nach Antalya.

Unser Urlaub fing ja erst im September an, da wir der unglaublichen Sommer-Hitze ausweichen wollten. War es in Istanbul auch zur Mittagszeit in kurzen Klamotten recht angenehm, half in Antalya alles nichts. 38° sind achtunddreißig Grad – die Suppe läuft, garantiert! Gut, wenn das Hostal klimatisiert ist! Ich empfehle mittags eher Indoor-Aktivitäten. ;)
Wir hatten unser Zimmer in der Altstadt von Antalya, in der Pansiyon Dedekonak. Es war noch ein Stück billiger als in Istanbul und genau so ein Stück einfacher. Aber es war sauber, klimatisiert und mehr brauchten wir nicht (bzw. für mehr wollten wir auch nicht bezahlen). Der Besitzer der Pension ist freundlich, angenehm entspannt und spricht mehrere Sprachen (u.a. Deutsch). Meistens findet man ihn im Innenhof der Pension, wo er z.B. das (wirklich gute und günstige) Abendessen vorbereitet. Wenn es Euch nach Antalya verschlägt und ihr günstig essen wollt, esst im Dedekonak! Fragt nur tagsüber mal an, was der Abend so kulinarisch zu bieten hat. Die Zutaten werden dann frisch eingekauft und am Grill zubereitet.
Die Lage der Pension ist Segen und Fluch zugleich. Zum einen ist man mitten in der schönen Altstadt, wo man viele tolle Bars und Restaurants findet und wo es jede Menge zu gucken gibt. Zum anderen befindet man sich aber auch mitten im Touri-Zentrum. Alle waren wirklich nett und wollten uns ihren Laden oder ihr Schiff zeigen. Spaß beiseite: Ich habe Verständnis dafür, dass da Leute ihren Lebensunterhalt verdienen – was in der Türkei durchaus härter ist als bei uns. Nur stellenweise waren mir das Auftreten der Verkäufer einfach zu aggressiv. Man kam keine zehn Meter weit, ohne darüber zu diskutieren, nicht in den Laden oder das Restaurant zu wollen. Die Lage hatte darüber hinaus noch ein paar Nachteile: Der Palaver von den Bars etc. hörte erst so gegen drei Uhr morgens auf. Die Gebäude der Altstadt sind halt alt – das gilt auch für die Fenster. Wenn man einen eher leichten Schlaf hat, kann das schonmal zu Schlaflosigkeit führen. Wenn nicht, spätestens um fünf Uhr meldet sich der Muezzin. ;)

Die bisherigen Ausführungen über Antalya lesen sich ja eher wie ein Horror-Urlaub und man könnte sich die Frage stellen, warum wir uns das tatsächlich die vollen acht Tage über angetan haben. Hier ist die Antwort:

Wir haben weniger Antalya besucht, als unsere Freunde in Antalya. Und das hat sich natürlich vollends gelohnt und uns für alle Strapazen entschädigt. :) Nach nahezu unendlich langer Zeit mal wieder gemeinsam bei Gesprächen, leckerem Essen und einem Glas Wein die Zeit von dannen ziehen lassen, am Pool oder am Meer liegen… Hach!
Dazu kommt natürlich noch, dass wir ohne die drei (na gut, das Baby können an dieser Stelle mal raus lassen) manche Orte nie gesehen hätten: Den Wald mit dem Wasserfall, den Strand mit den Betten, den – nur über einen Fahrstuhl zu erreichenden – ibizaesken Beachclub (Antalya liegt größtenteils an einer Steilküste)… Ramona, Romy & Luzzy, ihr wart der Antalya-Urlaub! :)

Hier einige Bilder aus Antalya:

In Antalya haben wir leider recht wenige Fotos gemacht. Das lag an den Temperaturen tagsüber und daran, dass wir nachmittags und abends meistens zu beschäftigt waren. ;)

Was bleibt sonst so vom Urlaub?

Nun, auch wenn der Körper nach Schlaf schreit, der Geist ist erholt und von den ganzen Eindrücken stimuliert. Ich bin lange in keinem Land mehr gewesen, dessen Sprache sich so von der unseren, dem Englischen oder den romanischen Sprachen unterscheidet. Es war eine interessante Erfahrung sich auch einfach mal mit Händen und Füßen durcharbeiten zu müssen. ;)

Ansonsten bleibt ein kleiner Einblick in die türkische Gesellschaft. Natürlich begrenzt auf die Stadt und das nähere Umland, aber viel mehr ist in der kurzen Zeit ja auch nicht unbedingt möglich. Soviel steht fest: Auch die Türkei braucht dringend mehr Sozialwissenschaftler! :)

 

Was noch? Ich komme wieder!

 

 

P.s: Entschuldigt bitte die Art der Foto-Präsentation. Ich haber gerade keine bessere Möglichkeit, als die Bilder untereinander zu packen. Viele sind keine typischen Urlaubsfotos, die zeigen wie die Straßen oder Sehenswürdigkeiten als Ganzes aussehen. Das ist mir auch nicht so wichtig. Was hier fehlt sind noch ein paar Bilder von Istanbulern. Die packe ich entweder in einen eigenen Artikel, oder aber bei Flickr rein. Dann kann man die Fotos auch hier auf der Seite sehen.

 

 

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